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Angehörige von DrogenkonsumentInnen

In den letzten Jahren sind in den Medien immer wieder sehr polemisierende und kriminalisierende Berichte über KonsumentInnen illegalisierter Drogen, erschienen. Durch diese einseitige Berichterstattung werden gerade bei den Eltern/ Angehörigen immer wieder verschiedenste Ängste geschürt und es entsteht dadurch oft eine resignative Haltung den Suchthilfeeinrichtungen gegenüber.

Die Entdeckung des Drogenkonsums beim eigenen Kind trifft Eltern meistens völlig unvorbereitet. Sie erleben den Drogenkonsum als persönliches Versagen und stürzen oft in tiefe Krisen. Für sie bricht ihre Welt zusammen.

Nach wie vor wird die Angehörigenberatung im Bereich illegalisierter Drogen hauptsächlich von Frauen und nur sehr selten von Männern in Anspruch genommen. Frauen müssen meistens die alleinige Beziehungs- und Erziehungsverantwortung übernehmen.

Zu bedenken ist auch, dass Eltern bzw. Angehörige mit dem gesamten psychosozialen Hilfsnetz (Ärzte, Krankenhäuser, Drogenberatungsstellen, Gericht, Exekutive, Lehrer usw. ...) konfrontiert sind, was nicht nur Erleichterung sondern auch zusätzliche Belastung mit sich bringen kann.

Eine Abhängigkeitserkrankung hat immer multifaktorielle Ursachen (Person, Substanz, Kultur, Freundeskreis, Lebensbedingungen Lebenserfahrungen usw. ..) und entsteht in einem prozesshaften Geschehen. Je nach Substanz erfolgt die Ausbildung einer Abhängigkeit unterschiedlich schnell.

Die Drogenabhängigkeit beeinflusst das Verhalten von Angehörigen nachhaltig. Sie neigen zu übermäßigem Schutz und Kontrolle des Betroffenen. Dieses Bedürfnis zur Hilfe führt bei Angehörigen oft zu seelischen Verletzungen, mangelndem Selbstwert und Schuldgefühlen. Eltern und Angehörige brauchen ebenso Hilfe und Unterstützung wie Abhängige.

Im Laufe der Drogenabhängigkeit, vor allem bei politoxikomanen Konsum kommt es beim Konsumenten oft auch zu psychiatrischen Folgeerkrankungen, man spricht dann von Doppel- und Mehrfachdiagnosen bzw. Komorbidität (psychische oder psychosomatische Krankheitsbilder).

In der Beratung/Therapie ist es wichtig zwischen den Auswirkungen der Illegalität und den psychiatrischen und psychosozialen Aspekten der Sucht zu unterscheiden. Der aus der Illegalisierung bestimmter Substanzen resultierende Schwarzmarkt begünstigt den Vertrieb von unreinen und unkontrollierbaren Substanzen bzw. Substanzmischungen, die das Gefahrenpotenzial wesentlich erhöhen. Als Folge nicht regulierter Preise entstehen Begleit- und Beschaffungskriminalität. Amtsbekanntheit, Vorstrafen, Gefängnisstrafen usw. zeichnen oft eine kriminelle Karriere vor, prolongieren das Suchtverhalten und erschweren ein „normales“ Leben.

Suchttherapieangebote werden oft, aus Angst registriert zu werden, nicht oder erst sehr spät in Anspruch genommen. Dadurch werden nicht nur vom Betroffenen, sondern auch von Angehörigen Probleme verheimlicht und so deren Lösungen verhindert bzw. hinausgezögert. Für Angehörige stellt diese Situation, einerseits mit den Auswirkungen der Sucht und andererseits den Wesensveränderungen eines ihnen oft sehr nahestehenden Menschen konfrontiert zu sein, oft eine völlige Überforderung dar. In den Beratungsgesprächen ist es wichtig auf diese Situation einzugehen und auf diese spezielle schwierige Situation hinzuweisen.

Helferkonferenzen erweisen sich in solchen Betreuungsverhältnissen oft als sehr nützlich und klärend. Die Substitutionsbehandlung mit ihren positiven wie auch oft für Angehörige enttäuschenden Ergebnissen stellt ein weiteres großen Thema in der Begleitung von Angehörigen dar.

Die Sorgen und Nöte von Angehörigen ernst zu nehmen, ihnen nicht mit pädagogischen oder moralischen Haltungen und Hilfestellungen zu begegnen, sondern auf die psychodynamische Beziehung zwischen den Betroffenen einzugehen ist Voraussetzung von professioneller Suchtberatung.

Aus folgenden Gründen ist es sinnvoll, wenn Eltern/Angehörige sich an den Veränderungsprozessen beteiligen:

  • Eltern/Angehörige sind durch die Abhängigkeit ihres/r Kindes/PartnerIn selbst psychisch und sozial stark betroffen.
  • Eltern/Angehörige verleugnen ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse.
  • Eltern/Angehörige machen ihr Wohlbefinden abhängig vom Wohlbefinden des/r Kindes/PartnerIn.
  • Eltern/Angehörige verdrängen ihre eigenen Probleme, weil sie nur an ihr/e Kind/PartnerIn denken und über nichts anderes mehr sprechen können.
  • Die Unsicherheit/Unwissenheit und Ängste der Eltern/Angehörigen werden von dem/r Kind/PartnerIn sehr oft ausgenutzt.
  • Eltern/Angehörige sind ein positives Vorbild für ihr/e Kind/PartnerIn, wenn sie beginnen, etwas für sich selbst zu tun. Sie können dadurch zur Motivation des Abhängigen beitragen, auch bei sich Veränderungen herbeizuführen.

Eltern/Angehörige sollen in der Beratung/Therapie/Gruppe folgendes lernen:

  • zuzulassen, ohne zu akzeptieren
  • "nein" zu sagen, ohne die Durchsetzung zu erzwingen
  • aufzuhören sich mit Schuld- und Schamgefühlen zu quälen
  • Alternativen anzubieten, ohne sie aufzuzwingen
  • zu diskutieren, ohne zu disputieren · zu sorgen, ohne zu versorgen
  • Wege zu weisen, Wege zu verkürzen, ohne sie für ihr Kind zu gehen
  • zu hoffen, ohne am Scheitern zu verzweifeln

So wichtig das Erreichen von Drogenfreiheit ist, muss das Ziel aller Bemühungen vielmehr sein, dass jeder seine ganz besondere Entwicklung zu seiner eigenen Persönlichkeit in Selbstverantwortung und sinnvoller Lebensfreude findet.

Die b.a.s Angebote umfassen: Telefonische Beratung und Emailberatung, Informationsberatung, Krisenintervention, Hilfestellung und Vermittlung von stationären Entzugs- und Therapieplätzen, ambulante Suchtberatung, Gruppentherapieangebot.

Als Angehörige/Mitbetroffene verstehen wir nicht nur Eltern, Großeltern, Kinder, Geschwister, Verwandte, PartnerInnen, sondern es sind damit auch Personen gemeint, die sich in einem Beziehungsverhältnis zum Betroffenen befinden, wie z. B. ArbeitskollegInnen, ArbeitgeberInnen, LehrerInnen usw.

DSA Gabriela Hütter